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Versicherung

Berufsunfähigkeitsversicherung: Wann sie sinnvoll ist

Wann eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist, was der Staat bei Erwerbsminderung zahlt und worauf es im Vertrag ankommt.

Milad GholampourStand 7 Min. Lesezeit
Ein junges Paar plant gemeinsam am Küchentisch mit Laptop und Notizbuch

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist sinnvoll, wenn Ihr Haushalt von Ihrem Arbeitseinkommen lebt und kein Vermögen da ist, das einen Ausfall über viele Jahre auffangen würde. Sie zahlt eine vereinbarte monatliche Rente, wenn Sie Ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben können. Der Staat springt in diesem Fall nur unter engen Voraussetzungen ein.

Für Neuankömmlinge kommt etwas hinzu: Die staatliche Absicherung setzt Versicherungsjahre in Deutschland voraus, und die fehlen vielen, die erst als Erwachsene hergekommen sind.

Für wen sie besonders wichtig ist

Überschlagen Sie einmal, was Sie bis zur Rente noch verdienen werden. Bei den meisten Menschen ist das mehr, als ihre Wohnung oder ihr Depot wert ist. Von diesem Einkommen hängen Miete oder Kreditrate ab, der Alltag der Kinder, die eigene Altersvorsorge und bei vielen auch die Unterstützung der Familie im Herkunftsland. Versichert ist also Ihre Fähigkeit, Geld zu verdienen.

Als Ursachen nennt das Gesetz Krankheit, Körperverletzung und einen Kräfteverfall, der über das Altersübliche hinausgeht. Es geht also nicht nur um Unfälle; auch ein Rückenleiden oder eine psychische Erkrankung kann eine Berufslaufbahn beenden.

Besonders deutlich ist der Bedarf, wenn einer dieser Punkte auf Sie zutrifft:

  • Ihr Haushalt lebt überwiegend von einem Einkommen, etwa weil Ihr Partner oder Ihre Partnerin gerade die Kinder betreut.
  • Sie sind selbstständig. Viele Selbstständige zahlen nicht in die gesetzliche Rentenversicherung ein und hätten dann keinen Anspruch auf eine Erwerbsminderungsrente.
  • Sie arbeiten erst wenige Jahre in Deutschland.
  • Sie zahlen über lange Zeit feste Beträge ab, zum Beispiel einen Immobilienkredit.

Was der Staat zahlt: die Erwerbsminderungsrente

Einen gesetzlichen Schutz speziell bei Berufsunfähigkeit gibt es nur noch für Menschen, die vor dem 2. Januar 1961 geboren sind (§ 240 SGB VI). Wer später geboren ist, kann von der gesetzlichen Rentenversicherung nur eine Erwerbsminderungsrente bekommen. Dabei wird nicht geprüft, ob Sie Ihren eigenen Beruf noch ausüben können, sondern ob Sie irgendeine Tätigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt ausüben können. Voll erwerbsgemindert ist, wer dort weniger als drei Stunden täglich arbeiten kann; teilweise erwerbsgemindert, wer mindestens drei, aber weniger als sechs Stunden schafft.

Außerdem müssen Sie vor Eintritt der Erwerbsminderung mindestens fünf Jahre gesetzlich rentenversichert gewesen sein und in den letzten fünf Jahren davor mindestens drei Jahre Pflichtbeiträge gezahlt haben (Deutsche Rentenversicherung (öffnet in neuem Tab)). Ausnahmen gelten etwa nach einem Arbeitsunfall oder bei einer Berufskrankheit, und unter Umständen zählen Versicherungszeiten aus anderen Staaten mit. Das prüft die Rentenversicherung im Einzelfall.

Die Rente wird in der Regel befristet gezahlt und dann neu geprüft (§ 102 SGB VI). Ihre Höhe richtet sich nach Ihren bisherigen Beiträgen. Wie viel eine volle Erwerbsminderungsrente bei Ihnen heute wäre, steht in Ihrer Renteninformation, sobald Sie eine bekommen.

Erwerbsminderungsrente (gesetzlich)Berufsunfähigkeitsversicherung (privat)
Maßstabjede Tätigkeit auf dem allgemeinen ArbeitsmarktIhr zuletzt ausgeübter Beruf
VoraussetzungWartezeit und PflichtbeiträgeVertrag, Annahme nach Gesundheitsfragen
Höheabhängig von Ihren bisherigen Beiträgendie vereinbarte monatliche Rente
Dauermeist befristet, mit erneuter Prüfungsolange die Berufsunfähigkeit besteht, bis zum Ende der Laufzeit

Die Vertragsbedingungen in einfachen Worten

Was ein Vertrag im Ernstfall leistet, steht in den Bedingungen. Am Beitrag allein lässt es sich nicht ablesen.

Was als berufsunfähig gilt

Das Gesetz stellt auf den zuletzt ausgeübten Beruf ab, „so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigung ausgestaltet war“ (§ 172 VVG (öffnet in neuem Tab)). Der Vertrag legt zusätzlich fest, ab welchem Grad und nach welcher Dauer er leistet.

Abstrakte Verweisung

Das Gesetz lässt eine Vereinbarung zu, nach der der Versicherer Sie auf eine andere Tätigkeit verweisen darf, die Ihrer Ausbildung, Ihren Fähigkeiten und Ihrer bisherigen Lebensstellung entspricht. „Abstrakt“ heißt: Es genügt, dass Sie diese Tätigkeit theoretisch ausüben könnten, auch ohne eine solche Stelle zu haben. Viele Verträge verzichten darauf. Bei der konkreten Verweisung geht es dagegen um eine Tätigkeit, die Sie tatsächlich aufgenommen haben.

Nachversicherungsgarantie und Laufzeit

Mit einer Nachversicherungsgarantie können Sie die Rente bei bestimmten Anlässen, etwa nach einer Heirat oder der Geburt eines Kindes, ohne neue Gesundheitsprüfung erhöhen. Welche Anlässe zählen, steht im Vertrag. Endet die Laufzeit deutlich vor Ihrem Rentenbeginn, bleiben die letzten Berufsjahre ohne Schutz, obwohl gesundheitliche Einschränkungen gerade dann wahrscheinlicher werden.

Ihre Berufsangabe

Beschreiben Sie Ihre Tätigkeit so, wie sie im Alltag aussieht: wie viel Schreibtisch, wie viel unterwegs, ob Sie Personal führen. Davon hängt die Einstufung ab, und im Leistungsfall prüft der Versicherer genau dieses Bild.

Gesundheitsfragen: Ehrlichkeit schützt Sie

Vor dem Abschluss stellt der Versicherer schriftliche Fragen zu Ihrer Gesundheit. Alles, was Ihnen bekannt ist und wonach gefragt wird, müssen Sie angeben (vorvertragliche Anzeigepflicht, § 19 VVG). Fehlt etwas Wesentliches, kann der Versicherer je nach Fall vom Vertrag zurücktreten, ihn kündigen oder die Bedingungen nachträglich anpassen. Meist fällt das erst auf, wenn Sie Leistungen beantragen, also genau dann, wenn Sie den Schutz brauchen.

Was beim Ausfüllen hilft:

  • Antworten Sie nicht aus dem Gedächtnis. Bitten Sie Ihre Ärzte um Unterlagen und fragen Sie Ihre Krankenkasse, welche Daten dort zu Ihnen gespeichert sind; auf diese Auskunft haben Sie Anspruch.
  • Ist eine Frage nicht ausdrücklich auf Deutschland beschränkt, gehören auch Behandlungen in Ihrem Herkunftsland dazu.
  • Bei Vorerkrankungen kann eine anonyme Risikovoranfrage helfen. Der Versicherer prüft Ihre Angaben dann zunächst ohne Ihren Namen, und Sie erfahren, ob und zu welchen Bedingungen ein Vertrag möglich wäre.

Die wichtigsten Begriffe

BegriffBedeutung
Berufsunfähigkeit (BU)Sie können Ihren zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich auf Dauer nicht mehr ausüben.
ErwerbsminderungsrenteGesetzliche Rente, wenn Sie in keiner Tätigkeit mehr ausreichend lange arbeiten können.
WartezeitMindestzeit in der Rentenversicherung, bevor ein Anspruch entsteht.
vorvertragliche AnzeigepflichtIhre Pflicht, die Gesundheitsfragen vollständig und richtig zu beantworten.
abstrakte VerweisungDer Versicherer verweist Sie auf einen anderen Beruf, den Sie theoretisch ausüben könnten.
NachversicherungsgarantieDas Recht, die Rente bei bestimmten Anlässen ohne neue Gesundheitsprüfung zu erhöhen.

Häufige Fragen

Wann macht eine BU keinen Sinn?

Wenn Ihr Lebensunterhalt dauerhaft auch ohne Arbeitseinkommen gesichert ist, etwa durch Vermögen. Wenig hilft auch ein Vertrag, dessen Beitrag Sie nicht auf Dauer tragen können. Und schließt der Versicherer wegen Vorerkrankungen wichtige Bereiche aus, prüfen Sie genau, was dann noch abgedeckt ist.

In welchem Alter sollte man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Ein festes Alter gibt es nicht. Annahme und Beitrag richten sich nach Ihrer Gesundheit und Ihrem Beruf beim Abschluss, deshalb bekommen jüngere, gesunde Menschen meist leichter Schutz. Wer wartet, bis eine Diagnose vorliegt, bekommt unter Umständen nur noch einen Vertrag mit Ausschlüssen.

Was passiert, wenn ich meine BU nie brauche?

Dann ist der Fall eingetreten, den sich jeder wünscht. Wie bei jeder Risikoversicherung sind die Beiträge der Preis dafür, dass das Risiko all die Jahre abgesichert war, und sie werden nicht zurückgezahlt. Bei der Gebäudeversicherung für ein Haus, das nie brennt, ist es genauso.

Wie viel sollte eine BU im Monat kosten?

Pauschal lässt sich das nicht seriös beantworten, denn der Beitrag hängt von Beruf, Eintrittsalter, Gesundheit, Rentenhöhe und Laufzeit ab. Hilfreicher sind zwei andere Fragen: Welche monatliche Rente bräuchten Sie für Ihre festen Kosten? Und welchen Beitrag können Sie auch in schwierigeren Jahren zahlen?

Was ich mir in einem ersten Gespräch ansehe

Bevor es um einen Vertrag geht, möchte ich Ihre Lage verstehen: welche festen Kosten weiterlaufen würden, wenn Ihr Einkommen ausfällt, wer davon abhängt und welchen Schutz Sie über Renteninformation, bestehende Verträge oder den Arbeitgeber schon haben. Außerdem gehen wir Ihre Tätigkeit durch, wie sie wirklich aussieht, und die Unterlagen für die Gesundheitsfragen.

Dann wägen wir die Rentenhöhe gegen einen Beitrag ab, den Sie dauerhaft tragen können, dazu die Laufzeit und ob eine Nachversicherungsgarantie sinnvoll ist. Ein Vertrag, den Sie über Jahrzehnte behalten, schützt mehr als einer, den Sie nach wenigen Jahren kündigen.

Das Erstgespräch ist kostenlos und unverbindlich, in Stuttgart oder online, auf Persisch, Deutsch oder Englisch. Rufen Sie mich an oder schreiben Sie mir eine E-Mail; die Daten finden Sie auf der Kontaktseite. Weitere Versicherungsthemen finden Sie auf der Seite Versicherungen, und was eine Privathaftpflicht abdeckt, erkläre ich im Artikel zur Privathaftpflicht.

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Milad Gholampour, Finanzberater in Stuttgart, im schwarzen Sakko mit hellblauem Hemd, lächelnd

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